Einschlüsse im Bernstein (Inklusen)

Nur wenige Bernsteinsucher haben wohl das Glück, einmal am Strand ein größeres klares Stück Bernstein mit einer eingeschlossenen Mücke oder Fliege zu finden. Denn selbst dort, wo Bernstein relativ häufig ist, gehört ein derartiger, bereits mit bloßem Auge gut erkennbarer Einschluss zu den Raritäten. Solche Einschlüsse, man verwendet auch den lateinischen Begriff Inklusen, sind zweifellos das Interessanteste, was das "Gold des Meeres" zu bieten hat.

Betrachtet man Inklusen mit der Lupe oder gar mit dem Mikroskop, so erscheint es kaum glaubhaft, dass sie ebenso alt sein sollen wie der Bernstein selbst - also rund 50 Millionen Jahre. Die eingeschlossenen kleinen Tiere und Pflanzenteilchen sind ungewöhnlich gut erhalten.

Springspinne (Araneae, Salticidae)

Am frischen Harzfluss heutiger Nadelbäume kann man leicht die Entstehung von Einschlüssen beobachten. Kleinere Tiere, meist Insekten, am häufigsten Fliegen und Mücken, bleiben beim zufälligen Vorüberfliegen oder Herumlaufen mit ihren Flügeln oder Beinen auf der klebrigen Harzmasse hängen, die man durchaus als "Fliegenfänger" bezeichnen könnte. Einige werden vom feuchtglänzenden Harz angelockt. Andere Tierchen und kleinere Pflanzenteile trägt der Wind dorthin. Meist sorgt schon der nächste Harzfluss für die vollständige Einbettung der festklebenden Organismen. Die Bildung von Inklusen im "Bernsteinwald" ging bestimmt ähnlich vor sich.

Erstfund eines Geckos im Baltischen Bernstein (gekkonidae, yantarogekko balticus)

Insekten und Spinnen machen den größten Teil der Einschlüsse aus. Seltener kommen Würmer, Schnecken, Krebstiere und Tausendfüßer vor. Die bisher gefundenen Wirbeltiere (Eidechsen und ein Gecko) sind Raritäten und in der Regel tot in das Harz gelangt. Pflanzen und Pflanzenteile sind, abgesehen von Sternhaaren der Eichenblüten, ausgesprochen selten. Die Bernsteineinschlüsse sind die am besten erhaltenen Zeugnisse vergangenen Lebens vor Millionen von Jahren.